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Sicherheit · Backups

Backup-Politik: Kein Backup, kein Mitleid?

Der Spruch klingt hart, ist aber keine Gemeinheit unter Admins, sondern eine ehrliche Ansage. Was wirklich wichtig ist, was Mythos ist, und was der aktuelle Standard für eine vernünftige Backup-Strategie ist.

Zuletzt aktualisiert: Juli 2026 · von Jan, Fixpunkt Gaming

"Kein Backup, kein Mitleid" ist einer der ältesten Sprüche in der IT, und er klingt beim ersten Hören ziemlich schadenfroh. Ist er aber nicht. Er sagt eigentlich nur: Ob deine Daten nach einem Festplattendefekt, einem eigenen Tippfehler oder einem Hack wieder da sind, hängt an genau einer Sache, die vorher passiert sein muss, nicht danach. Niemand kann dir nachträglich ein Backup zaubern, das es nie gab. Deshalb ist die Verantwortung dafür bei dir, nicht verhandelbar, egal wer den Server eingerichtet hat.

Die 3-2-1-1-0-Regel

Die klassische Faustregel war lange "3-2-1". Seit Ransomware gezielt auch verbundene Backup-Systeme angreift, hat sich der Standard weiterentwickelt zu "3-2-1-1-0". Das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) empfiehlt im IT-Grundschutz-Kompendium (Baustein CON.3, Datensicherungskonzept) dieselbe Stoßrichtung. So liest sich das:

3
Kopien deiner Daten insgesamt
2
verschiedene Speichermedien
1
Kopie extern (offsite)
1
Kopie offline / unveränderlich
0
Fehler bei der Wiederherstellung

3 Kopien: das Original auf dem Server plus zwei weitere Kopien. Eine einzelne Kopie ist immer ein Single Point of Failure.

2 Medien: nicht alle Kopien auf derselben Festplatte oder demselben Speichersystem. Wenn die eine Platte stirbt, sollen nicht automatisch alle Kopien mit ihr sterben.

1 extern: mindestens eine Kopie physisch woanders als der Server selbst, klassischerweise in der Cloud. Schützt gegen alles, was den ganzen Standort betrifft, vom Hardware-Defekt beim Hoster bis zum Rechenzentrumsbrand.

1 offline/unveränderlich: die neue Ergänzung. Mindestens eine Kopie, auf die ein Angreifer mit vollem Zugriff auf den Server nicht zugreifen und die er nicht verschlüsseln oder löschen kann, entweder komplett getrennt vom Netz oder technisch unveränderlich (Object Lock/Immutable Storage, bieten die meisten Cloud-Speicher inzwischen an).

0 Fehler: das oft vergessene letzte Element. Ein Backup, das du nie zurückgespielt hast, ist eine Vermutung, kein Backup. Regelmäßig testen, ob die Wiederherstellung tatsächlich funktioniert, gehört genauso dazu wie das Backup selbst.

Push- oder Pull-Backup: der Unterschied zählt

Wo die Backup-Routine ausgeführt wird, ist sicherheitstechnisch nicht egal:

Pull ist damit die robustere Variante gegen genau das Szenario, für das Backups am wichtigsten sind: ein kompromittierter oder verschlüsselter Server. Der Nachteil ist der höhere Einrichtungsaufwand, ein zweites System muss existieren und gepflegt werden. Für die meisten privaten Gameserver ist ein Push-Backup zu einem Cloud-Speicher mit aktivierter Unveränderlichkeit (siehe oben, das "1" für offline/unveränderlich) ein guter, praktikabler Mittelweg.

Speichermöglichkeiten: was sinnvoll ist

OptionGeeignet alsEinschätzung
Zweite Platte im selben ServerZusätzliche Kopie, kein eigenständiges BackupSchützt vor nichts, was den ganzen Server betrifft (Hack, Hoster-Ausfall)
Cloud-Objektspeicher (Backblaze B2, Wasabi, S3-kompatibel)Offsite-Kopie, oft mit UnveränderlichkeitGünstig, automatisierbar, guter Standard für die externe Kopie
Eigener zweiter Server / NASOffsite-Kopie oder Pull-ZielVolle Kontrolle, muss aber selbst genauso abgesichert werden wie der Hauptserver
Klassischer Cloud-Speicher (Google Drive, Dropbox)Manuelle ZusatzkopieFunktioniert, aber selten für automatisiertes Server-Backup gemacht, meist zusätzlicher Aufwand nötig

Mythen vs. Fakten

Mythos

"RAID ist mein Backup."

Fakt: RAID schützt vor einem defekten Laufwerk, sonst nichts. Löschst du eine Datei aus Versehen, ist sie auf allen gespiegelten Platten gleichzeitig weg. RAID ist Verfügbarkeit, kein Backup.

Mythos

"Cloud-Sync ist ein Backup."

Fakt: Ein Sync-Ordner spiegelt Änderungen meistens sofort, inklusive Löschungen und Verschlüsselung durch Ransomware. Nur mit echter Versionierung (mehrere Zeitstände gleichzeitig aufbewahrt) taugt Cloud-Sync als Backup-Ersatz.

Mythos

"Ein Backup reicht doch."

Fakt: Genau dafür gibt's die 3-2-1-1-0-Regel oben. Ein einzelnes Backup ist besser als keins, aber selbst ein Single Point of Failure.

Mythos

"Ich teste das Backup, wenn ich's mal brauche."

Fakt: Genau dann ist der schlechteste Zeitpunkt für den ersten Test. Ungetestete Backups sind Schrödingers Backups, sie existieren gleichzeitig und existieren nicht, bis du wirklich versuchst, sie zurückzuspielen.

Am Ende zählt nur eins: ob sich ein Backup im Ernstfall tatsächlich zurückspielen lässt, nicht wie oft es gelaufen ist. Genau das ist die eine Sache, die vorher passiert sein muss, sonst nützt die schönste 3-2-1-1-0-Struktur nichts, wenn's drauf ankommt.

Und falls es doch mal ernst wird, ohne dass ein sauberes Backup existiert: Server gehackt — was jetzt? hilft bei der Schadensbegrenzung, ersetzt aber kein Backup, das es nie gab.

Automatische Backups statt manuellem Merken

Die volle 3-2-1-1-0-Regel kann ich dir nicht "einrichten", die hängt auch von deinen eigenen Entscheidungen ab (welcher Speicher, welche Aufbewahrungsfrist). Was ich im Pro-Setup und im Wartungs-Abonnement einrichte: eine automatische Routine, die deine Daten zuverlässig zu einem externen Ziel schickt oder von dort abgeholt wird, als solide Grundlage dafür.

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